Stell dir einmal vor, eine Bank wird überfallen. Ein nicht maskierter Täter lässt sich das Geld aus dem Tresor in eine Tüte packen, um dann in Windeseile mit der Beute zu verschwinden. Ein Dutzend Tatzeugen gibt es – und solche Beschreibungen des Täters:
Also … der Mann war groß, trug eine Baseballkappe und eine runde Brille. Schwarze Aktentasche, dunkler Armeeparka, Alter: ca. 40 bis 45; ach ja, der Ganove hinkte. Andere Aussage: Mittelgroß, dunkelblonde, lange Haare (eine Perücke vielleicht?), mit einem Ledermantel bekleidet – es könnte sich auch gut um eine Frau handeln, Alter: ziemlich jung, Anfang 20 vielleicht. Brille, Kappe? Nein, auf keinen Fall …
Was also? Mann oder Frau, groß oder klein, alt oder jung, Brille oder nicht? Die ermittelnden Kriminalpolizisten behandeln Zeugenaussagen, die unter großem Stress zustande gekommen sind, mit Vorsicht. Vor lauter Panik (oder Übereifer) wissen viele gar nicht, was sie da beobachten; in der Fantasie ergänzen sie die Bilder mit x-beliebigen «passenden» Eigenschaften.
Auch die Beobachtungsfähigkeit will geschult sein: Gesichtsform, Größe der Nase, Mund, Haar, Gang – gar nicht so einfach, sich all das mit einem Blick einzuprägen! Aber das kann man lernen.