Was für eine Geschichte! Stellt euch vor, auf euch wartet eine Erbschaft. Eine fette Erbschaft. Ein altes Hotel und viel, viel Geld. Her damit!, wer würde das nicht sagen. Die Sache hat einen Haken, das wissen die Zwillinge Katinka und Dine sofort. Was heißt: ein Haken, Hunderte Haken, ein Meer von Haken … Steffi von Wolffs Roman Ausgebucht liest sich wie das Drehbuch zu einer vollkommen verrückten Provinz-Soap. Abgedreht, lustig, sehr schräg!
Bei der Testamentseröffnung im Büro des Notars Stubenrauch kriegen die Martinis den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Gabriele Martini kann es kaum glauben, dass Oma Fanny von Lehndorf ihr von ihren Reichtümern nichts hinterlassen hat. (Nicht dass sie und ihr Mann Gunther es nötig gehabt hätten, aber schön wäre es doch gewesen!) Stattdessen taucht plötzlich ein Mensch namens Klaus auf, ein bis dato unbekannter Adoptivsohn der Verstorbenen. Klaus, Spitzname Klausili, ein Glatzkopf mit massivem Übergewicht und noch massiverem hessischen Dialekt, ist plötzlich ein reicher Mann. Aber das ist nicht die einzige Überraschung bei der Testamentseröffnung.
«Hass ist wie guter Wein, er wird von Jahr zu Jahr besser …»
Noch verblüffender ist, was Uroma Fanny den Zwillingen hinterlassen hat: ein wunderschön gelegenes, aber völlig verrottetes Hotel mit dem aparten Namen Friesenzauber. Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt würde im Vergleich mit diesem einsturzgefährdeten Kasten locker als tipptopp hergerichtete Behausung durchgehen! Wenn sie es schaffen, so das «Kleingedruckte» in Baronin von Lehndorfs Testament, das im nordfriesischen Altkirchtrup gelegene Hotel innerhalb eines Jahres stilvoll zu renovieren UND es für drei Monate am Stück ausgebucht zu halten, wartet ein Preis auf sie, der wahrhaft heiß ist: eine Million. Für jede von ihnen. Wow!
Leider gibt es da ein kleines Problem. Die Zwillinge sind sich spinnefeind, gehen wie Katz und Hund aufeinander los, titulieren sich wahlweise als blöde Kuh» oder «saublöde Kuh», Sie hassen sich mit Inbrunst und schlagen nach Herzenslust aufeinander ein, mit Worten wie mit Fäusten. Wie wollen sie da eine Ruine auf dem platten Land zu einem der gesuchtesten (& gebuchtesten) Hotels an der Nordsee machen? (Übrigens, Katinka und Dine sind nicht etwa acht, zwölf oder vierzehn; nein, sie sind das, was man volljährig und erwachsen nennt: Schule abgeschlossen, Führerschein, Sex mit Jungs, das Übliche halt. Aber das nur am Rande …)
Die äußerst überschaubare Bevölkerung der Örtchen Altkirchtrup und Neukirchtrup, die sich ähnlich gut leiden können wie die zugereisten Schwestern, sind nicht begeistert von den aus Hamburg eingefallenen arroganten Mädels, die offenbar mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Altkirchtrup, so Katinka, sei nichts anderes als «Kühe melken, Mähdrescher warten und saufen …», mit solchen Sätzen macht man sich wenig Freunde Die meisten Einheimischen reden erst gar nicht mit ihnen. Einzig Bauer Bendix Janssen und seine Frau Merit (die seit 65 Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat – aus Angst vor den Russen …) scheinen den frischen Wind zu spüren, den die Martini-Zwillinge in ihr langweiliges Leben bringen.
«Geht nicht gibt’s nicht!»
Nach dem ersten Schock über Land und Leute stürzen sich, oh Wunder, Katinka und Dine mit Feuereifer auf die Renovierung der Prachtruine. Jeder Tag ein neues Abenteuer – und 1000 Rückschläge. Eine Treppe stürzt ein. Die Arbeiter erscheinen Stunden später als vereinbart auf der Baustelle, mit Alkoholfahnen, die wild im Wind flattern. Ein fanatischer, aber blendend aussehender junger Naturschützer (Udo) versucht den Umbau des Friesenzaubers zu verhindern, weil dort die letzten Exemplare einer vom Aussterben bedrohten Vogelart, der Krawallquerwimpel, auf dem löchrigen Dach nisten. Ach ja, ein offener Sarg wird auch noch gefunden. Und seit Jahrzehnten wird ein Mann vermisst, Piet Henning, Fanny von Lehndorfs, wie soll man sagen, Verflossener …
Aber Katinka und Dine, einmal in Bewegung, lassen sich von solchen Widrigkeiten nicht aufhalten. Zwar hassen sie sich irgendwie immer noch nach besten Kärften, verstehen sich andererseits aber auch so gut wie noch nie zuvor. Was an Udo und Jungjournalist Benni liegen mag, die sich in holder Eintracht in die beiden Hamburger Krawallschachteln verliebt haben, Udo in Katinka und Benni in Dine. Aber die größte Herausforderung wartet noch auf die Zwillinge. Als sie auf dem einsturzgefährdeten Dachboden Dokumente finden, die ihre Uroma dort einst versteckt hatte. Aus guten Gründen, wie sie bald wissen …